Ich bin ja nicht abergläubisch … aber #Persönlichkeitsentwicklung

Mein Leben nahm 2014 eine Wendung. Ich bin selber nicht mehr in der Kirche, helfe aber in einem Förderverein zur Erhaltung einer Kleinkirche mit. Im Rahmen des Erntedankfests hatte ich damals einen “leichten” Schlaganfall. Körperlich merkt man davon heute nichts mehr, selbst das leichte Krippeln in meiner linken Wange ist immer seltener geworden. Die psychologischen Folgen waren allerdings etwas schwerer zu verkraften.

Ich habe damals einen Job gemacht, in dem ich sehr gut war – so gut, dass ich den Spitznamen “King” von meinen Kollegen bekommen hatte. Ich bin und bleibe in meinem Herzen immer ein Vollblutsupporter – ich kann einfach nicht anders als Menschen zu helfen. Dieser Job war allerdings in vielen Fällen auch mit einigen Nachteilen behaftet: die Arbeitszeiten waren miserabel, die Bezahlung war noch schlechter als im öffentlichen Dienst und während ich es geliebt habe die blödesten Probleme auf meine Art zu lösen – man ist als Supporter trotzdem der letzte in der Nahrungskette, der Fußabtreter im System und irgendwann ist dann auch mal die Luft raus.

In meinem Fall hat mein Körper mir dann gesagt “Junge, schalt mal einen Gang runter. Die 14 Pot Kaffee am Tag sind nicht gut für dich und egal was du machst, einige Leute lassen sich nicht von einem besseren Weg überzeugen. Daher, und damit du das jetzt mal kapierst habe ich dir was mitgebracht: einen kleinen Schlaganfall”

Das Leben danach

Als ich dann so im Krankenhaus lag wollte ich alles ändern. Ich wollte Dinge machen, die ich vorher noch nicht gemacht habe  und auch endlich mal wirklich als Bibliothekar arbeiten, nicht nur als Rechercheexperte Kunden beraten. Außerdem wollte ich lange Haare haben. Ich dachte mir “hey, bevor du irgendwann mal wirklich umkippst – wenigstens das willst du mal erreicht haben”.

Ich weiß, lange Haare als Lebensziel. Klingt lächerlich. Die nächsten paar Jahre sollten sich als sehr problematisch erweisen. Ich bewarb mich auf andere Stellen obwohl ich als Betriebsratsmitglied einen sicheren Job hatte und evtl. auch andere Karriereschritte hätte gehen können (die leider meistens im Ausland gewesen wären).

Im Rahmen meiner Bewerbungen nahm ich die erstbeste Stelle die mich wollte und kündigte direkt meine sicheren Job. Nun gut, zwischen Schlaganfall und Kündigung lag dann mehr als ein Jahr, in dem es zugegebener Maßen nicht besser wurde. Auf jeden Fall landete ich dann im öffentlichen Dienst und leider in einem mehr als langweiligen Job. Mein Arbeitstempo führte dazu, dass ich die Arbeit eines halben Jahres in zwei Monaten aufgearbeitet hatte und dann nichts mehr zu tun hatte. Da Flexibilität das Zauberwort im öffentlichen Dienst ist verbrachte ich dann viel Zeit mit Leerlauf.

Den Job habe ich zwischenzeitlich gewechselt, was die Auslastung aber auch nur minimal verbessert hat. Zu dem nahenden Boreout gesellten sich dann auch gesundheitliche Probleme. In den Jahren haben diese gesundheitlichen Probleme unter anderem sogar dazu geführt, dass wir Freunde verloren haben.

Alles in allem waren die letzten paar Jahre nicht so positiv wie ich sie mir gewünscht hätte.

Im Hier und Jetzt

Die letzten beiden Jahre waren besonders schlimm und man kann durchaus schon davon reden, dass ich relativ häufig in schlechter, gar depressiver Stimmung gewesen bin. Von meiner gesundheitlichen Verfassung möchte ich gar nicht reden. Meiner Meinung nach ist die Annahme durchaus berechtigt, dass man gesundheitlich abbaut, sofern man sich die ganze Zeit nicht gut fühlt.

Meine Verfassung hat auch vieles beeinflusst, an dem ich privat gearbeitet habe. 2019 haben wir uns zum Ziel gesetzt vieles zu verändern und bis jetzt klappt es eigentlich nach gewissen Startschwierigkeiten schon ganz gut.

Wir haben nun über 100 Abonnenten, wenn ich mal streame mag ich es eigentlich sehr und bekomme immer mal wieder einen neuen Follower hinzu, wir haben eine Menge neuer Bekannter, die auch allesamt genau das gerne machen, was wir als Hobby betreiben, und obwohl es mit der Selbständigkeit bei uns beiden eher schleichend vorangeht – wir finden immer wieder neue Wege und Möglichkeiten. Wenn etwas nicht funktioniert, analysieren, ändern und weiter geht’s.

Nur eine Richtung – vorwärts

Ich bin ja nicht abergläubisch, aber ich habe mir letzte Woche meine langen Haare abschneiden lassen. Während ich gefragt wurde, ob das nicht traurig ist, dass die langen Haare jetzt ab sind konnte ich nichts trauriges darüber verspüren. Ein wenig bekloppt ist der Gedanke ja schon: Haare ab und es geht wieder bergauf – bis jetzt fühle ich mich mit der Entscheidung seit Jahren aber das erste Mal wieder gut.

Wir haben darüber philosophiert, dass ja auch viele Frauen beim Ende einer Beziehung sich vom Friseur ihres Vertrauens eine neue Frisur machen lassen um mit der Beziehung abzuschließen. Ich glaube da ist was dran.

Die langen Haare haben mich stets an den Schlaganfall, die gesundheitlichen Probleme, die verlorene Freundschaft – kurzum, einfach an viel Schlechtes erinnert.

Derzeit passieren einfach so viel gute Sachen (abgesehen von dieser Urheberrechtsreform und diesem Artikel 11, 12 und 13 Müll), dass diese Veränderung nötig war. Seit dem Haarschnitt fühle ich mich witziger Weise auch noch viel besser, habe wieder mehr Lust neue Sachen auszuprobieren und freue mich schon richtig auf die nächsten paar Wochen.

Wer weiß, vielleicht knack ich ja auch schon früher als erwartet die 50 Follower auf Twitch und werde dann doch Affiliate. 2019 hat schwach gestartet, doch die letzten Wochen geben mir echt Hoffnung, dass es doch noch ein sehr gutes Jahr wird.

Schöne Grüße

Euer Hisho

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